Am 23. September 2026 führte die Internationale Akademie Nürnberger Prinzipien gemeinsam mit dem Bayerischen Landeskriminalamt einen praxisorientierten Workshop zum Umgang mit Zeug:innen, Überlebenden und tatverdächtigen Personen bei Ermittlungen zu möglichen Völkerstraftaten durch. Ziel war es, fachliche Perspektiven aus der polizeilichen Ermittlungsarbeit mit der völkerstrafrechtlichen, psychosozialen und institutionellen Expertise der Akademie zu verbinden.
Anhand fiktiver Fallkonstellationen erprobten die Teilnehmenden den sensiblen Erstkontakt und die Befragung von Überlebenden. Im Mittelpunkt standen dabei das Erwartungsmanagement, besondere Schutzbedürfnisse und der angemessene Umgang mit traumatisierten oder anderweitig vulnerablen Personen. Ein weiterer Schwerpunkt lag auf Situationen, in denen sich während einer Befragung Hinweise auf eine mögliche Tatbeteiligung ergeben. Diskutiert wurden insbesondere der Wechsel von der Zeug:innen- zur Beschuldigtenrolle, die erforderliche Belehrung und der Schutz vor Selbstbelastung.
Der Workshop verband die Erfahrungen aus unserem Geflüchtetenprojekt mit unserer Arbeit zu nationalen War Crimes Units. Die gemeinsam gewonnenen Erkenntnisse sollen in die weitere Projektarbeit, die Entwicklung entsprechender Leitlinien und zukünftige praxisnahe Fortbildungsangebote für Polizeibedienstete einfließen. (gp)
