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Diskurs

Nuremberg Academy Talk 20: Dr. Rainer Huhle über „Erzwungene Trennung“


07. Mai 2026

„Erzwungene Trennung: Brauchen wir einen neuen Rechtsbegriff? Oder einfach eine neue Welt?“

Am 7. Mai 2026 hielt Dr. Rainer Huhle vom Nürnberger Menschenrechtszentrum (NMRZ) und vom FAU Centre for Human Rights Erlangen-Nürnberg (CHREN) einen Vortrag mit dem Titel „Erzwungene Trennung: Brauchen wir einen neuen Rechtsbegriff? Oder einfach eine neue Welt?“.

In seinem Vortrag ging Dr. Huhle der Frage nach, ob das Phänomen der erzwungenen Trennung, d,h, die zwangsweise Trennung von Familienangehörigen durch staatliche oder nichtstaatliche Akteure, als eigenständiger Rechtsbegriff im internationalen Menschenrechtsschutz anerkannt werden sollte oder ob der bestehende normative Rahmen ausreicht, um diese Praxis rechtlich zu erfassen.

Ausgehend von der historischen Entwicklung des Begriffs des „Verschwindenlassens“ als Rechtskategorie zeichnete Dr. Huhle die Bedingungen nach, unter denen neue menschenrechtliche Konzepte entstehen. Dabei beleuchtete er die unterschiedlichen historischen und gegenwärtigen Kontexte, in denen das Phänomen auftritt, bevor er sich den einschlägigen Rechtsnormen zuwandte, die Aspekte der erzwungenen Trennung bereits teilweise erfassen. Dazu zählen insbesondere das Internationale Übereinkommen zum Schutz aller Personen vor dem Verschwindenlassen, die Völkermordkonvention sowie die Bestimmungen des Römischen Statuts zu Verbrechen gegen die Menschlichkeit.

Abschließend näherte sich Dr. Huhle dem Thema der erzwungenen Trennung aus menschenrechtlicher Perspektive, indem er Fragen der Wiedergutmachung sowie die damit verbundenen Herausforderungen und normativen Grenzen des Konzepts diskutierte. Im Mittelpunkt stand dabei insbesondere das Spannungsverhältnis zwischen dem Recht der Familien auf Wahrheit und Gerechtigkeit einerseits und dem Recht ehemals getrennter Kinder, die inzwischen erwachsen sind, auf Selbstbestimmung über ihre persönliche Identität andererseits.

Zum Abschluss seines Vortrags zeigte Dr. Huhle ein Bild, das er in Mexiko gesehen hatte und das die Aufschrift trug: „Es war einmal die Menschlichkeit“. Es erinnerte eindringlich daran, welche menschliche Tragweite der juristischen Debatte zugrunde liegt.

Dr. Rainer Huhle ist Politikwissenschaftler und international anerkannter Experte für Menschenrechte und Übergangsjustiz. Er lehrt an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) und ist mit dem FAU Forschungszentrum für Menschenrechte Erlangen-Nürnberg verbunden. Als Mitbegründer des Nürnberger Menschenrechtszentrums war er in leitenden Funktionen innerhalb des Systems der Vereinten Nationen sowie am Deutschen Institut für Menschenrechte tätig und Vizepräsident des UN-Ausschusses gegen das Verschwindenlassen. Seine Forschung befasst sich insbesondere mit der Übergangsjustiz, dem Schutz der Menschenrechte und dem Verschwindenlassen.

Der wurde von Dr. Viviane Dittrich, stellvertretende Direktorin der Internationalen Akademie Nürnberger Prinzipien, moderiert. (ah/em)

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Informationsblatt – Rainer Huhle – Vortrag der Akademie – Erzwungene Trennung
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